Violett im Blauen Land

 100 Jahre Christuskirche Murnau

Theaterplakat
Bildrechte: Evangelische Kirchengemeinde Murnau

Update: Wegen des anhaltenden schlechten Wetters während der Probenphase und des angekündigten schlechten Wetters am Wochenende finden die ersten beden Aufführungen des Theaterstücks "Violett im Blauen Land" heute und morgen jeweils um 20.00 in der Christuskirche statt. Die Restkarten sind kostenlos an der Abendkasse erhältlich.

 

2022 feiert die Christuskirche in Murnau ihr 100-jähriges Bestehen. Im Rahmen des Festprogramms steht unser Theaterstück "Violett im Blauen Land.

Fünf Schauspieler:innen und drei Musiker:innen nehmen das Publikum mit auf die Reise von den Anfängen des Christentums im Blauen Land bis in die Gegenwart.

Der Spielort liegt hinter der Christuskirche. Eine Erkenntnis aus den Corona-Jahren: Es geht auch im Freien. Eine Erinnerung an die Zeiten, in denen Reiseprediger von Ort zu Ort zogen, um das Evangelium unter die Menschen zu bringen.

Vier Aufführungen wird es geben: Am 24. und 25. Juni sowie am 1. und 2. Juli. Beginn ist jeweils um 20.00. Wenn möglich, finden die Aufführungen im Freien statt. Bei extrem schlechtem Wetter sind wir in der Christuskirche.

Für den Eintritt ist eine kostenlose Eintrittskarte nötig. Sie sind erhältlich bei der Tourist Information im Murnauer Rathaus, bei der Buchhandlung Gattner im Obermarkt sowie im Evangelischen Pfarramt, Seehauser Straße 10.

 

Die Protagonist:innen

Jürgen Hilse

Monika Jung

Anette Köhler

Heidi Pantele

Florian Perchtold

 

Nico Döring, Kontrabass

Viktoria Fuchs, Tenorsaxophon

Brunhilde Kiehn, Akkordeon

 

Zum Stück

Geschrieben hat das Stück Dieter Kirsch. Seine Gedankengänge gibt er hier wieder:

"Zum Kirchenjubiläum ein Theaterstück?Ja, was soll das? Ich versuche, das Pingpong der Gedanken in meinem Kopf zu rekonstruieren.


Ich stöberte in der Geschichte, fand den Begriff des Reisepredigers, den des „exponierten Vikariats Murnau“, zu dem neun Dörfer gehörten, also auch neun Predigtstellen. Ich las über die legendäre
Rumfordsuppe und über andere weiß-blaue Wahrheiten. Ich entdeckte die scharfen Beobachtungen eines Freigeists, der in einer doppelten Diaspora lebt und seinen provokanten Spruch daraus zog:
„Für mich sind alle Bayern Protestanten. Jedenfalls, was die Widerständigkeit angeht und den Individualismus.“ Genug also an Material, auch genug Ideen, sie in eine Form zu bringen. In Theater natürlich, in ein Theater, das alle zu einem Ort zog, dem Bahnhofsberg in Murnau.  Im
Theater ist ja alles möglich, auch hundert Jahre Geschichte in dreizehn Geschichten zu erzählen.


Erzähltheater gebraucht viele Formen, Formen des Spiel, Formen der Sprache, mengt Musik hinein, Bilder und Symbole. Ein Gemansche. So entsteht Mash up-Theater, zwar leicht zu schlucken, aber im Kopf gibt es viel zu verdauen. Es wirkt lange nach, schafft Nachdenklichkeit. Da ist sie wieder, die im Augenblick vielgebrauchte Metapher von der Theaterkunst, der Kunst und Kultur als Lebens-Mittel. Ein Jubiläum schafft aber auch Nachdenklichkeit. So also hat es begonnen, aber wie geht es weiter? Die nächsten hundert Jahre? Protestanten greifen da meist in die Bibel, finden da meist auch einen Text. Bei mir war es das Gleichnis vom Schatz im Acker, von Matthäus aufgeschrieben. Eine schöne Geschichte. Es gibt etwas zu suchen, einen Schatz. Und ein Mensch setzt alles auf eine Karte, um diesen Schatz zu finden. Die ersten Christen hatten ihn gefunden, den Schatz von der Freude Gottes, uns Menschen zu finden. Sie gingen mit ihm einen neuen Weg. Diesem Gedanken folgte ich, kam zu einem neuen Text, 1989 zum ersten Mal gesungen, auf eine alte Melodie, fünfhundert Jahre alt. So fand ich das Ende von „Violett im Blauen Land“. Der neue Weg. Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid. Ihr. Christen, gleich welcher Kirche. Auf diesem Weg in die nächsten hundert Jahre? Ist nur im Theater alles möglich?"

Zur Inszenierung

Die Inszenierung liegt in den Händen von Chiara Nassauer-Boitsos. Sie fasst ihre Herangehenweise zusammen wie folgt:

"Meine Aufgabe als Regisseurin ist es, den Text vom Blatt auf die Bühne zu übertragen: den Figuren auf dem Papier Leben einzuhauchen und ihnen das geschriebene Wort so in den Mund zu legen, dass es für die Zuschauer greifbar und lebensnah wird.


Bei Theatertexten zu geschichtlichen Themen steht ja meistens der dokumentarische Aspekt im Vordergrund: Die Besucher sollen quasi „nebenbei“ möglichst viele Fakten über den Bau der Christuskirche und allgemein über die evangelische Kirche in Bayern erfahren. Es ist eine herausfordernde Aufgabe, die vielen kleinen und großen Geschichten zu diesem Kernthema in einen einzigen Abend zu packen. Daher verlasse ich mich bei der ersten Lektüre eines Textes am liebsten auf mein Bauchgefühl, denn das zeigt mir gleich, was mich besonders anspricht und welche Ideen sich für einen Text richtig anfühlen, bevor ich das ganze nur von der intellektuellen Seite zerlege.

Was mir bei Dieters Text gleich ins Auge gesprungen ist, war das Motiv der Rastlosigkeit; die lange Phase, die die evangelische Kirche brauchte, um in Bayern anzukommen – obwohl ihr Protest gegen verkrustete Strukturen bei den oft als eigenwillig bekannten Bayern ja auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Auch hat mich angesprochen, dass die einzelnen Szenen die Geschichte der Christuskirche vor den Augen der Zuschauer nach und nach wie in Puzzle zusammenfügen. Aus dem Motiv der „Rastlosigkeit“ hat sich dann meine Idee entwickelt, mit möglichst schnellen Szenenwechseln zu arbeiten, ohne aufwendige Kostümwechsel und Umbauten. Die Darsteller können innerhalb von Sekunden eine andere Rolle annehmen und in eine andere Zeit springen, ohne sich auf große Hilfsmittel verlassen zu müssen. Das Motiv des „Puzzles“ hat mich zur Optik und zum verwendeten Material auf der Bühne geführt: Papier und Pappe, aus denen im Laufe des Abends die Christuskirche wortwörtlich „zusammengebastelt“ wird.

Verknüpft werden die teilweise Jahrhunderte umfassenden Zeitsprünge mit Musik, die sich aus bekannten Kirchenliedern, Schlagern und Popsongs zusammensetzt. Der Zuschauer bekommt durch die Klänge sofort ein Gefühl für die Zeit und die Stimmung der jeweiligen Szene.

Die eigentliche Theaterarbeit besteht zum einen aus einer Analyse des Textes: Wer sagt was, wie und warum eigentlich? Was sind die Absichten der Figuren, wie stehen sie zueinander, wo gibt es Konflikte? Auch stellt man beim Inszenieren fest, wo Texte eventuell noch „mundgerecht“ gemacht oder gekürzt werden müssen, damit der Übergang vom Papier auf die Bühne glatt verläuft. Ich arbeite auch gerne mit Improvisationen und Theaterspielen. So haben wir für eine Szene im Stück aus fünf Personen ein lebendes „Schiff“ gebaut, das sich durch einen Sturm bewegen muss – ausschließlich durch Körperhaltung, Mimik und Gestik der Schauspieler, die für eine solche Choreographie auch alle an einem Strang ziehen müssen. Und natürlich fallen von Regieseite schon mal berüchtigte Sätze wie: „Stell dich da hin und mach das und das!“ Wenn man das Vertrauen der Schauspieler hat, ergeben sich dadurch oft spannende Momente, die den Beteiligten erst nach dem ersten Ausprobieren bewusst werden.

Wichtig finde ich, dass bei einem Abend, in dem viele Informationen auf den Zuschauer einströmen, der Humor nicht zu kurz kommt. Daher wechseln sich in meiner Inszenierung oft skurrile und komische Szenen mit nachdenklichen und ruhigen Passagen ab. Die Darsteller können damit auch zeigen, was alles in ihnen – und natürlich auch im Text – steckt und wie nah oft Komödie und Tragödie beeinander liegen, ganz wie im echten Leben."

Presseschau

Kreisbote vom 15.6.2022:

Artikel aus dem Kreisboten zum Theaterstück
Bildrechte: Kreisbotenredaktion
Bild und Artikel: Günter Bitala