Die Fabel von Fausto

Oliver Jeffers
 
Die Fabel von Fausto
 
NordSüd Verlag 2020
 
18 Euro
 
 
Einst lebte ein Mann, der glaubte, ihm gehöre alles. Kommen Ihnen solche Menschen bekannt vor?
 
Verständlich auch, dass es ein Mann ist, der das glaubt? Und dass er dann auch noch Fausto heißt?
 
Klar, so sieht einer aus, der so was denkt. So einer geht dann nicht nur durch die Welt und freut sich darüber, dass ihm alles gehört. Ein Fausto muss es auch jedem sagen: „Du gehörst mir“.
 
Die kleine zarte Blume widerspricht nicht, auch nicht das Schaf. Selbst der Baum akzeptiert es: „Also gut, dann gehöre ich dir.“ Schwieriger ist es beim Berg. Da muss Fausto mächtig toben, bis sich der Berg verbeugte. Dass er das Sagen habe, das hat den Berg überzeugt. Wer so viel Macht hat, der will alles besitzen. Also das grelle Neongelb übergezogen und mit dem Boot aufs Meer gefahren und „Du gehörst mir“ gebrüllt. Keine Reaktion. Fausto steigert in seinem grenzenlosen Hochmut sein Gebrüll und Getobe. Nach einer Weile sagt das Meer dann endlich, sanft: „Nein, ich gehöre dir nicht.“ Wie der einsetzende Disput endet? Das müssen Sie lesen, besser noch, anschauen.
 
Die Fabel von Fausto, also die belehrende kleine Geschichte über das Schicksal von Fausto, das ist ein Bilderbuch. Hinreißend. Ungewohnt. Das Los von Fausto ist auch das unsere, wenn das fehlt, was das Meer erkannt hat und sanft auch benennt.
 
Das aktuellste Bilderbuch in unserer Coronazeit, auch wenn es schon, weitsichtig, 2018 entstanden ist. Auch wenn Kuscheln untersagt ist, selbst über Face Time wirken die Bilder, fängt das Bilderbuch die Enkel ein. Gattner liefert es, vom Montag bis Freitag ist es zwischen 10 und 14 Uhr zu bestellen.
 
 
Dieter Kirsch